Videokino Kastanie 85 und Café Commune im Juli 08
Reihe: 60 Jahre Israel
Donnerstag, 3.7.08 20.30 Uhr Kastanie 85
Mechilot
Spielfilm, USA/ISR 2005, 96 min, R: Udi Aloni (OmeU)
In einer Mischung aus Polit- und Psycho-Thriller erzählt der aus Israel stammende Regisseur Udi Aloni von einem jungen Israeli, der aus Amerika nach Israel zurückkehrt und dort traumatische Erfahrungen durchlebt. Diesen Erfahrungen entspricht die erzählerische Form des Films: Erst allmählich, in Rückblenden und zeitlichen Vorgriffen, zwischen Realität und Traum, tritt das Schicksal des 20 Jahre alten David Adler in all seinen Zusammenhängen zutage. David ist in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht, die sich in den Ruinen des palästinensischen Dorfes Deir Yassin befindet; seine Einwohner wurden vom israelischen Militär massakriert.
Davids Vater Henry hat den Holocaust überlebt. Nach seiner Befreiung hat er nur kurz in Israel gelebt, ehe er in Amerika ein berühmter Musiker wurde. Die Vergangenheit verdrängt er, was für David schon immer unerträglich war. Weil ihm der Grund für die Einweisung seines Sohnes unerklärlich ist, erlaubt Henry Adler dem behandelnden Arzt Dr. Shefer, dem Patienten eine neue chemo-technische Droge zu verabreichen: PT-25 soll das Trauma des jungen Mannes überwinden helfen.
Dr. Shefer zögert. Als sich aber Davids Gesundheitszustand verschlechtert und darüber hinaus der militärische Gesundheitsdienst auf den Einsatz von PT-25 drängt, hat er keine andere Wahl. Der Schlüssel zur Lösung des Rätsels, das David umgibt, liegt allerdings in den Händen einer Toten – eines zehnjährigen Mädchens, das 1948 ermordet wurde und deren Geist bis zur Lösung dieses Rätsels keine Ruhe finden kann...
Montag, 7.7.08 21.30 Uhr Café Commune im KuBiZ Raoul Wallenberg, Bernkasteler Str. 78, Weißensee
(Bei schönem Wetter Open Air)
Sweet Mud
Spielfilm, ISR 2006, 97 min, R: Dror Shaul, OmeU, mit Shai Avivi, Omer Berger, Henri Garcin
Dror Shauls so schöner wie verstörender Film handelt vom Aufwachsen Dvirs in einem Kibbutz Ende der 1970er Jahre. Nach dem Tod von Dvirs Vater, dessen Ursache im Dunkeln liegt, gelingt es dessen Mutter nur schwer, in ein normales Leben zurückzufinden. Die Dinge scheinen sich zum Besseren zu wenden, als Stephan, der unkonventionelle Schweizer Judomeister, sie besucht und sich die beiden verlieben. Jedoch wird Stephan nach einem Konflikt mit einem der Kibbutzbewohner von der eingeschworenen Gemeinschaft ausgestoßen, und die psychische Verfassung von Dvirs Mutter gerät auf eine Abwärtsspirale, aus der es kaum ein Entrinnen gibt. Von der Kibbutzgemeinschaft und seinem Bruder mit den Problemen der Mutter alleingelassen, findet Dvir Beistand bei Maya. Während in imposanten Landschaftsaufnahmen die Jahreszeiten verstreichen, entsteht zwischen den beiden eine erste Liebe, die das dramatische Schicksal der Mutter relativiert. - Der Film wurde auf der Berlinale 2007 mit dem gläsernen Bären ausgezeichnet.
Donnerstag, 10.7.08 20.30 Uhr Kastanie 85
To See if I’m Smiling
Doku, ISR 2007, 60 min, R: Tamar Yarom OmU
Elite-Soldaten, die Palästinenser misshandeln: Dana Behar wollte nicht wegsehen und zeigte ihre Kameraden an. Anschließend wurde sie als Verräterin beschimpft. "Es gibt in Israel ein großes Tabu: Kritik am Militär gibt es nicht, das tut man nicht." Dana will dieses Schweigen brechen, deshalb hat sie ihre Geschichte vor der Kamera der bekannten israelischen Dokumentarfilmerin Tamar Yarom erzählt. Reden, das ist für sie die Therapie nach der Therapie. Monatelang ging sie nach ihrem Militärdienst zum Psychologen, um das, was sie gesehen hatte, einzuordnen.
Erstmalig erzählen Dana Behar und fünf weitere Frauen, wie sie den Armeedienst in Kampfeinheiten erlebt haben. Der Film hat beim Dokumentarfilmfestival in Amsterdam den "Silbernen Wolf" gewonnen. Als er im israelischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, waren die Reaktionen jedoch beileibe nicht so positiv. "Leute sagten, sie hätten zwar ähnliches erlebt, aber es sei nicht die richtige Zeit, die Armee zu kritisieren", sagt Dana.
Combatants for Peace
Doku, Israel 2006, 15 min, OmeU
Seit Beginn der zweiten Intifada im Herbst 2000 starben mehr als 3000 Palästinenser und über 1000 Israeli im unsinnigen Schlagabtausch, unter ihnen viele Frauen und Kinder. Angesichts der anhaltenden Gewaltspirale bildeten sich während der letzten Jahre Gruppen wie «Combatants for Peace» - eine Organisation, in der sich israelische Reservesoldaten und ehemalige palästinensische Häftlinge zusammengefunden haben. Sie erzählen einander ihre Schicksale, treten für Gewaltverzicht und ein Ende der Okkupation ein und suchen politischen Druck auf beide Regierungen auszuüben, um den Friedensgesprächen wieder eine Chance zu geben.
Wie die Schöpfer der Genfer Initiative oder die couragierten Demonstranten von Peace Now und Gush Shalom verkörpern die «Combatants for Peace» bis dato zwar nur kleine Minderheiten auf beiden Seiten. Doch ohne sie gäbe es weder Hoffnung auf ein Ende der Gewalt noch auf eine künftige Versöhnung.
Donnerstag, 17.7.08 20.30 Uhr Kastanie 85
Willkommen in Israel
Spielfilm, Israel 2005, 96 min, R: Eyal Halfon, mit Uri Gavriel, Evelyne Kaplun
Eine illegale ukrainische Einwanderin freundet sich mit einem spielsüchtigen Ex-Polizisten an, der sie eigentlich der Prostitution zuführen sollte. Währenddessen wird ein thailändischer Landarbeiter bei der Wilderei erwischt, und ein philippinisches Ehepaar, das Geld für eine medizinische Behandlung braucht, kommt mit der Halbwelt und dem Ex-Polizisten in Kontakt. Der spannend und berührend inszenierte Film über illegale Einwanderung, Arbeitsmigranten und Zwangsprostitution in Israel verwebt geschickt die Geschichten miteinander und setzt Israelis und Migranten in mannigfaltige Beziehung zueinander.
*****
Videokino im Café Commune:
Montag, 21.7.08 21.30 Uhr Café Commune im KuBiZ Raoul Wallenberg, Bernkasteler Str. 78, Weißensee
(Bei schönem Wetter Open Air)
Am Tag als Bobby Ewing starb
Spielfilm, D 2005, 95 min, R: Lars Jessen, mit Gabriela Maria Schmeide, Peter Lohmeyer, Richy Müller
Wir schreiben das Jahr 1986: Die Protestbewegung gegen den Bau des Atomkraftwerks in Brokdorf liegt in den letzten Zügen. Nur eine Landkommune ist übrig geblieben: das "Alternative Wohnkollektiv Regenbogen". Für sie könnte es immer so weiter gehen mit endlosen Konsensdiskussionen, Schafe scheren und nacktem Gemeinschaftsbaden. Eines Tages bekommen die Kommunarden Zuwachs durch die beiden Städter Hanne und ihren Sohn Niels. Während Hanne sich überraschend schnell an Schreitherapie und Gemüseaufzucht gewöhnt, hat Niels immer weniger Lust auf die dogmatischen WG-Regeln. Aus Trotz schließt er sich dem gewaltbereiten AKW-Widerstand an und bringt das beschauliche Chaos der Kommune damit reichlich durcheinander. Zum großen Knall kommt es aber erst, als im entfernten Tschernobyl ein Reaktor explodiert... Ernsthaft/heiter rechnet Lars Jessen mit der '68er-Generation und ihren Lebensentwürfen ab und verarbeitet eigene Kindheitserfahrungen. Sein Film wurde mit dem Max Ophüls Preis 2005 prämiert.
Alle Veranstaltungen: Video auf Leinwand, Eintritt frei
www.k85.squat.net